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Bild-Zeitung , 27.7.2005

Die Kölner sollten stolzer auf ihre Stadt sein

von Alice Keldenich


BILD: Sie arbeiten international erfolgreich als Fotografin. Gibt es einen speziell weiblichen Blick in der Fotografie?


Bettina Flitner: Frauen haben eine andere Lebenswirklichkeit als
Männer. Sie sind durch andere Erfahrungen geprägt und haben deshalb einen anderen Blick auf die Welt. Sie sind stärker auf Menschen konzentriert. Und das fliesst natürlich in ein Bild ein. Man sieht nur, was man weiss.


Was wollten Sie als kleines Mädchen werden?


Kriminalkommissarin! Ich war von Krimis fasziniert. Dann wollte ich Archäologin werden. Und dann Fotografin. Die hat von beiden etwas.


Sie sind ein echt kölsches Mädchen. Was mögen Sie an Ihrer Geburtsstadt?


Ich mag die Gelassenheit der Kölner. Alles nicht so wichtig nehmen, und auch schon mal "fünfe gerade sein" lassen. Dieser Stadt merkt man die 2000 jährige Geschichte an. Ganz besonders liebe ich diese Freude an der Kommunikation. Man ist immer im Gespräch und hat schnell Kontakt.


Was stört Sie?


Manchmal sind die Kölner zu gelassen. Bestes Beispiel war die gescheiterte Bewerbung zur Kulturhauptstadt. Das hat man einfach zu leicht genommen und sich zu sehr auf Dom, Rhein und Karneval verlassen. Da hätte man zukunftsweisende Kultur-Konzepte erstellen müssen.


Was sollte sich ändern?


Die Kölner sollten stolzer auf ihre 2000 Jahre Stadt-Geschichte sein. Berlin gibt schon mit seinen lächerlichen 768 Jahren an.


Sie leben und arbeiten abwechselnd in Köln und Berlin Bitte
charakterisieren Sie die Unterschiede.


Ein Beispiel: Wenn man in Berlin eine bestimmte Strasse sucht und einen Passanten nach den Weg fragt, bekommt man zur Antwort: "Ja wat denn, wat denn. Wo soll dat sein? Wat wollen Se denn da?" Der Berliner ist immer dabei, sich abzugrenzen.


Und wie antwortet der Kölner?


"Ach, was für ein Zufall. Da wohnt doch meine Oma. Die habe ich doch noch vor drei Tagen besucht." Eh man sich versieht, hat man zur Wegbeschreibung auch noch die Familiengeschichte erfahren. Das liebe ich.


Haben Sie einen Lieblingsort?


Den Blick vom Vierungsturm des Kölner Doms über die Stadt. Eine
atemberaubende Aussicht. An dieser Stelle ist man im Herzen des Doms, im Herzen von Köln, im Herzen vom Rheinland.


Wie relaxen Sie?
Bei einem langen Abendessen mit Freundinnen und Freunden. Und, indem ich mir ein neues Projekt ausdenke. nach den „Grossen Europäerinnen“ für die ich den ganzen Kontinent bereist habe, will ich jetzt etwas ganz Ruhiges machen. Natürlich wieder mit Menschen: Kindern und Erwachsenen, Frauen und Männern, Kölnern und Immis. Und der Rhein spielt dabei ein tragende Rolle.


Was sehen Sie im TV?


Ganz ehrlich: hier in meinem kölner Atelier, steht keiner mehr, ich ihn mal vor Wut weggeworfen. Fernsehen kann ich bei Freundinnen und Freunden.


Sind sie religiös?


Nein, und Ich bin aus der Kirche ausgetreten. Trotzdem bewundere ich an den Kirchen ihre Arbeit gegen Armut, Hunger und Ungerechtigkeit in der Welt. Gerade habe ich in Afrika für das katholische Hilfswerk "SOLWODI" der Schwester Lea Ackermann fotografiert, die Frauen in Not hilft, sich selbst zu helfen.


Welche Persönlichkeit würden Sie gerne treffen?


Die Heilige Ursula!


Warum?


Um sie zu fragen, ob sie nun mit 11 oder mit 11.000 Jungfrauen unterwegs war.


Was sagen Sie zu Angela Merkels Kanzlerkandidatur?


Ich bin zerrissen. Einerseits finde ich gut, wenn da mal endlich ein Frau sitzen würde - andererseits frage ich mich, was eine CDU-Kanzlerin tun wird... noch mehr Sozialabbau?


Welche Erwartungen haben Sie an eine Kanzlerin?


Nicht zuletzt, dass sie sich verstärkt für Frauen einsetzt.


Wenn sie eine Zeitreise machen könnten, in welche Epoche würden Sie reisen?


Weit in die Zukunft. vielleicht in das Jahr 3000. Da würde mich interessieren, ob und wie die Menschen sich verändert haben.


Das Gespräch führte
Alice Keldenich

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