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cult, Mai 2004

 

Ziel der Mafia
Bettina Flitner hat wichtige Frauen fotografiert

Wer immer noch meint, in Monroe, Curie, Stein, Spears, Riefenstahl oder Christiansen erschöpfe sich die Liste berühmter Frauen, täuscht sich gründlich. Auch, wenn man selbst bei diesen Damen den Vornamen eher nicht verschweigt (so bekannt wie ein Freud, Marx oder Goethe werden sie niemals sein). Und einmal angenommen, man erkundigt sich in der Welt nach Menschen, die auf gar keinen Fall fehlen dürften, dann hätte man wohl unter den Auserwählten ein erhebliches Fortpflanzungsproblem.

Die Fotografin Bettina Flitner fragte aber nicht nach unentbehrlichen Menschen, vielmehr nach unentbehrlichen Frauen, als sie im Frühjahr 2001 Hunderte von Briefen nach ganz Europa absandte, an Botschaften, Journalisten, Freunde und Experten. Die Resonanz war „überwältigend“, nur selten so enttäuschend wie eine E-Mail aus Budapest: “Talentierte Frauen für die Titanen und Geschickelenker und opfern sich aus dem Altar der Haushaltsführung und Kinderaufzucht.“ Der Schreiber vergaß Judit Polgar, die beste Schachspielerin der Welt. Die 28-jährige Budapesterin kämpft für die „Aufhebung der Geschlechtertrennung“ (beim Denksport!).

Dies beschreibt Alice Schwarzer, deren zurückhaltende und doch leidenschaftliche Texte im Bildband Frauen mit Visionen Flitners ungewöhnliche Porträts begleiten. Viele Worte braucht sie jedoch nicht, denn die Bilder der Fotografin sprechen für sich. Flitner hat Naturwissenschaftlerinnen, Musikerinnen, Unternehmerinnen, Politikerinnen, Schauspielerinnen ausgewählt und aufgesucht.

Hat diese sowohl in klassischen, ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Nahaufnahmen fotografiert als auch in – durch die jeweilige Frau und ihren Beruf inspiriert – Posen und Situationen, in symbolerfüllter Umgebung. So sieht man die finnische Schauspielerin Kati Outinen auf einem Gartenstuhl im Meer, steht die französische Astronautin Claudie Haignere mit nachdenklichem Blick im irdischen Dickicht, so telefoniert die niederländische Regisseurin Maleen Gorris an ihrem Schreibtisch, während im Vordergrund der Oscar für ANTONIAS WELT wacht.

Genau wie die zwei Bodyguards im Rücken der Baronessa Cordopatri. Ihr ständiges Ziel der Mafia, ist eine der beiden Reportagen des Buches gewidmet, in denen Flitner von ihren erlebnisreichen Europareisen berichtet. Spannende Frauen mit spannenden Geschichten, eingefangen im stets außerordentlichen Kamerawinkel, und in ihren ganz persönlichen Eigenarten vertraulich und sprechend. Und doch umgibt sie alle eine geheimnisvolle Aura: eine Vision.

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