entgrenzte Repräsentation

Camera Austria International 84/2003, Ulrich Tragatschnig

Der Anspruch repräsentativer Bildkunst kennzeichnet die Porträts starker Europäerinnen, die Bettina Flitner streng en face, kontextlos im Close-up erstellt. Monumental verwandeln sie das ebenfalls nicht ganz intim wirkende Foyer der Helmut-List-Halle in eine Hall of Fame. Nicht jede Porträtierte wird man gleich auf den ersten Blick erkennen, was gar nichts macht, geht es doch im Eigentlichen nicht sosehr um sie speziell, sondern um die Reihe selbst, die jene Sorte reflektiert, welche noch in so manchem Geschichtsbewusstsein als reine Herrenrunde feststeht. Dass diese ideologisch vorab nirgends hinführt, wird den mit Denkmälern vertrauten Rezipienten vielleicht irritieren. Die Gemeinschaft der Aufgeführten kann ganz allgemein als Widerständigkeit gegen gesellschaftlich aufoktroyierte Rahmenbedingungen gelesen werden und tritt als solche in labilen Widerstreit zur rahmenden Funktion, in der die Bilder einer Festivalgesellschaft dienen.

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