Eine Kartografie großer Frauen

Der Standard, 3.11.2003

Bettina Flitner macht mit ihren „Europäerinnen“ in Graz wichtige Frauen sichtbar 
die Fotografin in Standard Interview

Entstanden ist die Idee zur „Hall of Fame“ in der EMMA Redaktion, als Christiane Nüsslein-Volhard 1995 den Nobelpreis für Medizin verliehen bekommt. Dazu Bettina Flitner, Fotografin: „ Es gab einfach kein Foto von ihr. Sie hat dann ein privates Foto geschickt, im Garten in Spaghettiträgern. Es war von ihrem Mann aufgenommen und auch nicht wirklich scharf."

Das bleibt kein Einzelfall. Weitere Recherchen ergeben ein klares Bild der Situation:“ Frauen werden weniger gezeigt, es gibt von ihnen weniger Bilder. Aber warum? Sie nehmen sich selber nicht so wichtig und sie werden auch von außen als nicht so wichtig erachtet.“

Bilderlosigkeit in einer Welt voller Bilder

Nachdem Bettina Flitner auch noch das Buch „Menschen im 20. Jahrhundert“ in die Hände fällt, auf dessen Cover Adenauer und Schwarzer gezeigt werden, im Inneren aber nicht mehr als 10 Frauen (von 100 Personen) genannt werden, war klar, dass da was getan werden muss. „Ich bin losgezogen und habe recherchiert und das Konzept der „Europäerinnen zusammengestellt. Wie kann es so eine Bilderlosigkeit in einer Welt voller Bilder geben?“

Bettina Flitner bereist zwei Jahre lang ganz Europa. Lässt sich von JournalistInnen und anderen KollegInnen die wichtigsten Frauen der jeweiligen Länder nennen und versucht diese zu treffen. 100 Europäerinnen sollen es werden, die auf großformatigen Fotografien dargestellt werden. Die dazugehörigen Texte kommen von Alice Schwarzer.

Über sich hinausdenken

Die Auswahl erschien weniger schwierig. „Ich habe klare Kriterien angelegt, wen ich fotografiere. Egal ob aus Wirtschaft oder Kunst, ich habe Frauen gesucht, die Vorbilder sind. Die über sich hinausdenken und nicht nur z.B. Geld scheffeln.“
Und Österreich scheint da ein gutes Pflaster zu sein „Österreich ist anscheinend eines der Länder mit weiblichen Persönlichkeiten innerhalb Europas. Ebenso wie Finnland, Polen, Italien und Frankreich. Da war es leicht, Frauen wie Jelinek oder Streeruwitz zu finden.“

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