Berliner Kurier, 9.11.2002 

 

Europas weibliche Hälfte

Ein Jahr lang ist die Fotografin Bettina Flitner (41) kreuz und quer durch Europa gereist. Im Sucher ihrer Kamera starke Frauen. Porträts von 50 Europäerinnen hat sie bisher versammelt. Zu sehen ab heute im Museum für Kommunikation.

Um 12.30 wird Familienministerin Dr. Christine Bergmann die Schau eröffnen. Mit der Werkausstellung soll deutlich werden, dass Europa nicht nur männliche Baumeister hat, sondern dass Europa von vielen Frauen getragen wurde und wird.

Zu einer Ruhmeshalle für Europas Frauen, einer Hall of Fame, will Bettina Flitner ihr Projekt bis ins nächste Jahr wachsen lassen. Es sind viele Bekannte, die dem Betrachter begegnen. Etwa Franka Potente, die sie zur Ballettschule in Kreuzberg begleitete. Marion Gräfin Dönhoff, die sie kurz vor ihrem Tod besuchte. Bettina Flitner lernte die Baronessa Cordopatri, die von der Mafia mit dem Tode bedroht wird... Darüber erzählt sie: Wie lange ihr Leben noch geht, weiß sie nicht. Möglicherweise wissen es andere. Vielleicht ist es morgen schon zu Ende. Sie hat sich auf alles eingestellt. Wie diese Baronessa da im Gegenlicht hinter einer Spitzengardine steht, gehört wohl zu den anrührendsten Bildern dieser Schau.

Bettina Flitner schaut den Frauen ins Gesicht. Und sie schaut in ihre Seele. Der Politikerin Gro Harlem Brundtland, der Schriftstellerin Benoite Groult, der Astronautin Claudie Haigner , Miep Gies, die Anne Frank versteckte und ihr Tagebuch rettete. Die Biologin Christiane Nüsslein Volhard stieg für die Fotografin sogar in einen seerosenbewachsenen Teich. Schönheit und Weiblichkeit...

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